Teheran - 23.04.2000
Sehr geehrter Ayatollah Shahroudi
angesichts der Tatsache, daß die ständigen Bemühungen der Anwältin unserer Familie Informationen über den Ermittlungsstand im Fall der Ermordung meiner Eltern, Dariush und Parvaneh Forouhar, zu erhalten, auf das Schweigen der Verantwortlichen gestoßen sind und bedauerlicherweise zu keinem Ergebnis geführt haben, bin ich, Parastou Forouhar, am Montag, den 17.4.2000, von Deutschland aus nach Teheran geflogen, um sogleich nach meiner Ankunft mit den zuständigen Verantwortlichen für die Ermittlungsakte Kontakt
aufzunehmen.
Ich möchte Ihnen einen kurzen Bericht über das vorlegen, was mir in diesen Tagen widerfahren ist.
Nach einem Telefonat mit der Geschäftsstelle der Militärstaatsanwaltschaft von Teheran, bin ich am Mittwoch zu den öffentlichen Besuchszeiten im Büro der Staatsanwaltschaft, die uns offiziell als die letzte verantwortliche Stelle genannt wurde, vorstellig geworden.
Der Büroleiter des Staatsanwalts meinte, daß die Akte an eine andere Stelle verschickt worden sei und daß er keinerlei Auskunft über die Gründe und Umstände der Verschickung der Akte abgeben werde. Daher würde er keine Notwendigkeit für ein Gespräch mit mir sehen.
Dann wurde mir gesagt, ich solle mich an die Geschäftsstelle des Herren Marvi, den Vizepräsidenten der obersten Justizbehörde, wenden, und dort nach einer Erklärung verlangen.
Ich rief die Geschäftsstelle des Herrn Marvi an. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, sagte man mir schließlich am 20.4.2000, daß die Akte nicht bei seiner Behörde sei und sie auch früher nicht dorthin übersandt worden sei. Man riet mir, den Richter Ahmadi, dessen Name auch in der Zeitungen gerüchteweise erwähnt worden war, und der zu den Richtern des Revolutionsgerichts gehörte, aufzusuchen.
Bei einem Anruf bei der Staatsanwaltschaft der Revolution sagte man mir, daß es in dieser Behörde mehrere Richter mit dem Namen Ahmadi gäbe und daß ich persönlich vorsprechen müsse. Bei der persönlichen Vorsprache sagte man mir, daß Herr Richter Ahmadi, der für die Akte in den politischen Mordfällen im Herbst 1998 zuständig sei, nach der Verweisung der Akte an ihn, bei den Justizbehörden der Streitkräfte seinen Dienst versehen würde.
Ich rief die Justizstelle der Streitkräfte an und man sagte mir, daß Herr Ahmadi nicht in dieser Behörde sei. Wieder riet man mir, zur Geschäftsstelle des Herrn Marvi zu gehen, um Informationen über die Akte zu erhalten.
Ich rief wieder im Büro des Herrn Marvi an. Man sagte mir, ich solle die Geschäftsstelle des Präsidiums der Justizbehören bei den Streitkräften, Herrn Niazi, anrufen, da Herr Ahmadi die Akte über den Mord an meinen Eltern im Rahmen jener Behörde bearbeiten würde.
In einem Telefongespräch mit der Geschäftsstelle des Präsidiums der Justizbehören bei den Streitkräften sagte man mir, daß der Sitz des Sonderkommitees, das unter der Leitung des Herrn Ahmadi in diesem Fall ermittle, sich nicht bei der Justizbehörde der Streitkräfte befände und daß diese Stelle keine Möglichkeit habe, zwischen mir und diesem Komitee Kontakt herzustellen oder auch über die Aktenlage Auskunft zu geben. Man riet mir, mich wieder an das Büro des Herrn Marvi zu wenden.
Nach einigen Anrufversuchen im Büro des Herrn Marvi, sagte man mir heute, am Sonntag, den 23.4.2000, daß ich mit dem Büro des Präsidenten der Justiz Kontakt aufnehmen solle.
Sehr geehrter Herr Präsident,
ich schreibe Ihnen diesen Brief im Haus meiner Eltern - in dem Haus, das zur Stätte ihrer Ermordung wurde. Neben dem Tisch, auf dem ich Ihnen diesen Bericht schreibe, steht der Stuhl meines Vaters, jener Stuhl, auf dem man ihn gen Mekka richtete und sein reines Herz, das stets für den Iran und die Iraner geschlagen hatte, im siebzigsten Lebensjahr mit wiederholten Stichen zerriß.
Sein Blut auf dem Teppich ist getrocknet und die Spuren sind blaß geworden. Der Widerhall der Schmerzensschreie meiner Eltern erfüllt das ganze Haus und setzt seinen Weg fort in mein leidvolles Herz.
Sehr geehrter Herr Präsident,
im heiligen Namen der Gerechtigkeit, deren Verwirklichung in unserem Lande in Ihren Händen liegt, fordere ich Sie auf, dieser ungerechten Methode Einhalt zu gebieten. Ich bitte Sie, mir die Verantwortlichen für die Ermittlung im Fall der Ermordung meiner Eltern zu benennen und mich über den Gang dieser Ermittlung in Kenntnis zu setzen.
Hochachtungsvoll,
Parastou Forouhar