Blind Spot  Photoserie. 2000.

Die Fotoserie der iranischen Künstlerin Parastou Forouhar führt den Betrachter in einen schwarz-weißen Nicht-Raum, in der die harten Silhouetten der Körper wie absurde Manifestationen einer sterilen Welt wirken. Beinahe lebensgroß, buchstabieren die Rückansichten des Männerschädels im Tschador eine Ansprache, die dem Betrachter einige Unerschrockenheit abverlangt. Doch wovon ist die Rede? Vor-Urteile fängt die Gestalt mühelos ab und wirft sie als Frage zurück: Wer spricht? Mit welchem Recht? In welcher Sprache? 
Und unter dem Schleier blitzt überdies ein täuschend naheliegendes Angebot hervor, beinahe werbetauglich: Ironie für denjenigen, der Forouhars Superzeichen der Entfremdung sofort »versteht«. 
Die Figuren sitzen und stehen in einer freigestellten Welt, die dem Pathos mit scharfem Skalpell zu Leibe rückt. Im wahrsten Sinne. Dem kann man sich natürlich anschließen. Doch gerade, weil sie von sich aus so fremdartig lustig und ihrem innewohnenden Potential gegenüber so in Strenge erstarrt sind, will der Blick des Betrachters sich von der Nahsicht abkehren und nach weiteren Formulierungen der Realität Ausschau halten. 
Einige Schritte zurücktretend, zeigt sich der von Forouhar in Besitz genommene Raum bereits in anderem Zusammenhang. Schwarze Formen reihen sich aneinander, der Blick wandert an hautfarbenen Halbkugeln durch den Raum. Mal vollflächig, mal im Profil markieren diese blinden Flecken in den Gewändern eine bisher unbekannte Körper-Fläche.
Auf einer beliebigen Landkarte würde ein blinder Fleck jenes Terrain bezeichnen, wo man vermutlich ähnliches Leben, gleichartige Formen anträfe wie in dessen unmittelbarer Umgebung: Beweisen ließe sich das jedoch nicht, solange ihn nicht jemand erforscht, und bezeichnet hätte.
Phyllis Kiehl - Blind Spot
Fotograf: Jogi Hild

blog.parastou-forouhar.de                                                                                              © Parastou Forouhar          Dank an Markus Friedrich