Dokumentation  Rauminstallation. Seit 1999.

Am 21. November 1998 erfuhr Parastou Forouhars Leben einen jähen Einschnitt. An diesem Tag sind ihre Eltern, Dariush und Parwaneh Forouhar, beide oppositionelle Politiker, in ihrem Haus in Teheran, einem vom iranischen Geheimdienst initiierten Auftragsmord zum Opfer gefallen. Dieses Verbrechen machte sie zu einer öffentlichen Person, wohl wissend daß auch dessen Aufklärung nicht nur ihr und ihrer Familie, sondern auch der Öffentlichkeit gehört. Jene Zäsur und die damit verbundene Trauer, Wut und das Gefühl der Ohnmacht hat die Künstlerin aus ihren Arbeiten weitestgehend herausgehalten. Die hier gezeigte Dokumentation widmet sich auf informativer Ebene dem Verbrechen an ihren Eltern sowie ihren zähen Bemühungen um dessen Aufklärung. Über Briefe, Zeitungsartikel, Interviewtexte, Fotos, Texte für Pressekonferenzen sowie über die Korrespondenz mit Politikern, Behörden und Institutionen gibt die Künstlerin einen Einblick in das Geschehnis und dessen Fortgang. Sämtliche Materialien liegen als Kopien vor. Wohlgeordnet sind sie auf Kartonschachteln verteilt, Presseberichte aus aller Welt sowie Briefe und eine Auswahl der Antworten sind an Styroporplatten gepinnt. Ein Kopiergerät steht bereit, so daß vom Besucher jedes der Dokumente vervielfältigt und mitgenommen werden kann.

Das hier Gezeigte kreist um einen Einzelfall, der als solcher nicht übertragbar ist. Übertragbar ist jedoch all das, was durch die Dokumentation an Verhalten und Haltungen zum Vorschein kommt. Hier zeichnet sie ein düsteres Bild staatlicher Gewalt und eines Machtapparats, der unfähig ist, Vertrauen in das Individuum zu setzen und deshalb Kontrolle und Repressionen, bis hin zum Mord, einsetzt zur Legitimation bzw. zum Erhalt einer Macht, die fragwürdig und regressiv ist. Die Entscheidung, die persönliche Geschichte in den Kunstkontext zu tragen, fiel aus vielerlei Gründen nicht leicht. Unter anderem, weil Parastou Forouhar hiermit riskiert, vor allem über ihre Biografie und nicht über ihr Werk definiert zu werden. Entscheidend ist jedoch, daß sie damit ein Stück Leben zeigt und dieses in eine öffentliche Form bringt.

Natalie de Ligt    

blog.parastou-forouhar.de                                                                                              © Parastou Forouhar          Dank an Markus Friedrich