Die persische Schrift wird zum
Ornament. Indem Forouhar die weißen Wände des Museums über und über mit den
Schriftzeichen übersäht, dienen sie als „Papier“ für ihren Text. Der Raum wird
zum „Schriftraum“. Während die weiße Wand des Galerieraumes gemeinhin zur
universalen Norm und unmarkierten Instanz erhoben wird, steht das orientalische
Ornament für das Abweichende. Fremd ist die Schrift auch deshalb, weil sie für
westliche Besucher nicht lesbar ist – als „unverständlicher“ Text wird sie zum
reinen Ornament. Indem sich die Schrift gegen Bedeutungszuordnungen durch
westliche Besucher verwahrt, bleibt sie in ihrer irreduziblen Bildlichkeit und
unauflösbaren Gegenständlichkeit bestehen. Der Sinn ist nicht zu begreifen;
allenfalls die beschrifteten Pingpongbälle, die den Boden der Installation
bedecken, lassen sich im haptischen Sinne be-greifen. Die Lesbarkeit wird noch
erschwert durch die Bewegung der Pingpongbälle, die auch in ihrer Kreisform
keine festen vertikalen oder horizontalen Leseachsen vorgeben, sie bilden immer
neue Muster, sind immer in Bewegung und werden zusammenhanglos. Selbst bei
Kenntnis des Persischen erweisen sich die Zeichen als Wortfragmente und Silben,
die keiner linearen Ordnung unterliegen. Das Schriftornament bedeckt den gesamten
Raum – an der Decke, auf dem Boden, an den Wänden. Die Betrachter, die die
Räume betreten, sind umgeben von den Mustern und müssen ihren
souverän-distanzierten Standpunkt aufgeben.
Alexandra Karentzos - Verortungen der Kunst











