Schrift Raum  Rauminstallation. Seit 1999.

Die persische Schrift wird  zum Ornament. Indem Forouhar die weißen Wände des Museums über und über mit den Schriftzeichen übersäht, dienen sie als „Papier“ für ihren Text. Der Raum wird zum „Schriftraum“. Während die weiße Wand des Galerieraumes gemeinhin zur universalen Norm und unmarkierten Instanz erhoben wird, steht das orientalische Ornament für das Abweichende. Fremd ist die Schrift auch deshalb, weil sie für westliche Besucher nicht lesbar ist – als „unverständlicher“ Text wird sie zum reinen Ornament. Indem sich die Schrift gegen Bedeutungszuordnungen durch westliche Besucher verwahrt, bleibt sie in ihrer irreduziblen Bildlichkeit und unauflösbaren Gegenständlichkeit bestehen. Der Sinn ist nicht zu begreifen; allenfalls die beschrifteten Pingpongbälle, die den Boden der Installation bedecken, lassen sich im haptischen Sinne be-greifen. Die Lesbarkeit wird noch erschwert durch die Bewegung der Pingpongbälle, die auch in ihrer Kreisform keine festen vertikalen oder horizontalen Leseachsen vorgeben, sie bilden immer neue Muster, sind immer in Bewegung und werden zusammenhanglos. Selbst bei Kenntnis des Persischen erweisen sich die Zeichen als Wortfragmente und Silben, die keiner linearen Ordnung unterliegen. Das Schriftornament bedeckt den gesamten Raum – an der Decke, auf dem Boden, an den Wänden. Die Betrachter, die die Räume betreten, sind umgeben von den Mustern und müssen ihren souverän-distanzierten Standpunkt aufgeben.    

 Alexandra Karentzos - Verortungen der Kunst

blog.parastou-forouhar.de                                                                                              © Parastou Forouhar          Dank an Markus Friedrich