Daumenkino

Indem Forouhar diese Figuren in einer anderen Arbeit der gleichen Werkreihe animiert, erhält das Dargestellte eine unheimliche Unmittelbarkeit. Eine besondere Spannung entsteht, wenn eine Steinigung gar in einem Daumenkino zu sehen ist. Wird die Strafpraxis der Folter gewöhnlich in einer fernen archaischen Vorzeit situiert, erhält sie nun eine erschreckende Aktualität. Entscheidend ist die taktile Nähe des Mediums, das der Rezipient buchstäblich „in der Hand hält“: Indem der Betrachter mit dem Daumen das Kino aktiviert, ist er selbst an der Tat beteiligt. Erst weil er im wörtlichen Sinne seine Finger im Spiel hat, wird der Stein geworfen. Die Dichotomien von Zuschauer und Akteur sowie Opfer und Täter werden konterkariert. Der Betrachter wird dazu angehalten, seine Position zu reflektieren. Die Grenze zwischen dem Betrachter und dem scheinbar fernen Geschehen gerät in Bewegung.    

Alexandra Karentzos - Verortungen der Kunst

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