Parastou Forouhar (Jahrgang
1962) ist Iranerin, studierte von 1984 bis 1990 an der Universität Teheran
Kunst und lebt seit 1992 in Offenbach. Kürzlich hatte sie eine Ausstellung bei
Natalie de Ligt. Diese Schau war ganz und gar Parastous Bemühen um die
Aufklärung des Mordes an ihren Eltern gewidmet. Am 21. November 1998 wurden
Vater und Mutter, beide oppositionelle Politiker, in ihrem eigenen Haus
meuchlings ermordet. Die Dokumentation in der Galerie an der Oppenheimer Straße
zeichnet ein düsteres Bild gewalttätiger Repression gegen Intellektuelle, wie
wir sie hierzulande zwischen 1933 und 1945 gekannt haben. Dennoch Parastou
Forouhar liebt ihr Land und sagt: ”Irgendwann habe ich angefangen, um den
Begriff Heimat eine Illusionburg zu bauen. Und seitdem wächst meine Heimat unsichtbar
und schön in meine Gedanken.”
Dei Ausstellung entsprach Parastous Wunsch. Sie wollte deutlich machen, was se heißt, mit zwei Kulturen in der Seele zu kämpfen. Während im Westen den Künstlern die Ideen ausgehen, kämpfen dei Emigranten um Inhalte, die sie schier zerreißen, verstärkt in diesem Fall durch die islamische Tradition der Bilderfeindlichkeit. Natalie de Ligt hat mit Parastou Forouhar eine unlimitierte und signierte Edition herausgegeben. Sie besteht aus einem zweiseitigen Brief der Künstlerin an den Präsidenten der Obersten Justizbehörde in Teheran, eine Beschreibung des kafkaesken Weges durch eine Behörde, in der sich niemand für zuständig hält. Diese Brief-Edition, fein säuberlich im Passepartout gerahmt(250 Mark), ist bei uns im Museum für Moderne Kunst ausgestellt. Ich bin der Meinung, Parastou Forouhars Brief müsste in allen öffentlichen Institutionen hängen und sämtliche Besuchern zugänglich sein.